Auerbach Stadt-Anzeiger - Mai 2026

Stadt-Anzeiger Auerbach - Mai 2026 36 Das Schloss der mittelalterlichen Befestigung unserer Stadt Auerbach (Fortetzung von Seite 34) Ein Teil des Henkerstegs über die Pegnitz stadtauswärts in Nürnberg. In ihm ist das sehr interessante Henkermuseum untergebracht. Rechts steht der Wasserturm als Teil der vorletzten Stadtbefestigung, später Gefängnis. Heute wird er zusammen mit dem benachbarten Weinstadel als Studentenwohnheim genutzt. Aus der Kastenamtsrechnung: „Anno 1621 wurde in Auerbach auch die Kindsmörderin Anna Schleicher hingerichtet. – Georg Sporer von Fronhof mußte 10 fl Strafe zahlen, weil er die Kindsmörderin geschwängert hatte. Der Scharfrichter bekommt 3 fl, weil er die Anna Schleicherin mit der Tortur angegriffen u. peinlich examiniert hat. Der Nachrichter (Anm.: Henker, Scharfrichter) bekommt ferner 6 fl 4 ß für die Justifikation, - der Ankläger bekommt 4 fl 4 ß 6 d, - der Richter bekommt fürs Urteil 1 fl, - der Stadtknecht bekommt 18 fl für Azungskosten (Anm.: Azung oder Atzung ist ein altes Wort für Verpflegung), - der Wächter bekommt 1 fl, - Der Totengraber bekommt f. d. Begraben des entleibten Kindes 1 fl, - der Wasenmeister bekommt 1 fl, weil er die Mörderin unter dem Galgen verscharrt hat, - das herkömmliche Henkermahl kostete 26 fl, - der Landknecht bekam 5 ß 3 d, weil er die Schleicherin verarretiert u. gefänglich eingezogen hat.“ (5, Band VII, Seite 212 f) 1 Gulden fl waren 20 Schillinge = 120 Pfennige = 240 Heller (7) Neben den angesprochenen Straßennamen erinnert auch noch eine alte Sage (8) an den Galgenberg als Hinrichtungsstätte, damals vor den Toren, unserer Stadt Auerbach in Richtung der früheren Einöde Sand (9). 1622 wurde auf dem Rabenstein eine Kindsmörderin mit dem Schwert hingerichtet. Dasselbe passierte dann 1625 dem sog. Hirtenpeter, weil er nicht allein ein Hurer und Dieb, sondern auch ein Landzwinger (so nannte man oft heimatlose Leute, die im Land herumfuhren und oft gegen die Bevölkerung gewalttätig waren) gewesen war. (nach 3, Seite 124) Allein diese wenigen Fälle innerhalb von 13 Jahren bezeugen die Härte und Erbarmungslosigkeit der damaligen Justiz – und die Tätigkeit des Halsgerichts Auerbach. „Als Auerbach i. J. 1628 an Bayern kam, verlor das Landgericht sehr an Bedeutung. Die letzten Hinrichtungen auf dem Galgenberg bei Auerbach fanden in den Jahren davor statt. Von da ab wurden alle schweren Verbrecher nach Amberg transportiert und dort abgeurteilt und hingerichtet.“ (5, Band VII, Seite 27)

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