Auerbach Stadt-Anzeiger - Dezember 2025

Stadt-Anzeiger Auerbach - Dezember 2025 16 Die mittelalterliche Befestigung unserer Stadt Auerbach (Fortsetzung von Seite 14) Diese Waffen, die mit Schießpulver betrieben wurden, boten eine bisher unerreichte Durchschlagskraft und Reichweite, was sie sowohl auf dem Schlachtfeld als auch in der Verteidigung von Siedlungen unentbehrlich machte. Die Einführung von Kanonen und Handfeuerwaffen veränderte die militärischen Strategien grundlegend.“ (3) Verfall der Befestigung Die hohen Kosten und die moderne Kriegsführung bzw. Belagerungstechnik wirkten sich natürlich auch auf die Auerbacher Stadtbefestigung aus, die allmählich mehr oder weniger überflüssig wurde und zunehmend verfiel. So waren von dem von Joseph Köstler in dessen Befestigungsplan (s. Stadtanzeiger Juni 2024 und Mai 2025, jeweils Seite 14) ursprünglich 11 genannten Stadtmauertürmen anno 1716 nur noch 8 vorhanden. 1795 schließlich verbot die Regierung alle weiteren Ausgaben für die Stadtmauer, Türme und Tore und regte sogar deren Verkauf an. „Dessen schämten sich die Herren des Rates, denn sie fürchteten den Spott der Nachbarstädte, wenn sie ihre Mauer verkaufen würden. Lieber sollte sie zusammenfallen. Mit den Türmen, meinten sie, könnte man ja einen Versuch machen.“ (1,Seite 45) Versteigerung der Türme 1796 Und so wurden dann am 24. November 1796 vom Bürgermeister Anton Ibscher (HNr 229, heute Oberer Marktplatz 5) die noch verbliebenen 7 Stadtmauertürme an die Meistbietenden versteigert. Die Nachkommen von Bürgermeister Anton Ibscher (1746-1798) betrieben bis 1952 dieses Haus (aus 5, Seite 269) als Café und Konditorei. Das Anwesen unmittelbar neben dem Rathaus hat eine sehr interessante Geschichte. (mehr dazu 5, Seite 269 ff) Die Versteigerung der Türme hatte folgendes Ergebnis: „1. Der Stranerturm hinter dem Bräuhaus (Anm.: Nr. 191, heute Bachgasse 25, abgerissen) war kurz vorher gänzlich zusammengefallen und wurde der Margarete Sporrer von Göttersdorf um 125 fl und 15 Kr jährlichen Ewigzins überlassen. … 2. Den Turm beim oberen Bad (Anm.: Nr. 200, heute Am Schwedenturm 3) hat der Bader Wolf um 155 fl und 15 Kr Ewigzins ersteigert und an die schon lang darin wohnende Taglöhnerin Katharina Riegel weiterverkauft. … 3. Den runden Turm hinter der Mauer (Anm.: Nr. 252, heute Am Schwedenturm 7) steigerte Kaspar Leißner, genannt ‚der Schwed‘ von Hopfenohe um 116 fl und 15 Kr ewigen Jahreszins. Seine Profession als Schuster darf er aber bei schwerer Strafe niemals und nicht im mindesten ausüben. Der Turm heißt seitdem Schwedenturm und hat die HausNr. 252. Er wurde 1868 über die Hälfte abgetragen und ist nur mehr ein Stumpf. … 4. Den Stadtmauerturm neben der Ratsdienerwohnung (Anm.: Nr. 48 heute Pfarrstraße 15, Predigerturm; abgerissen) ersteigerte der Weber und Ratsdiener Friedrich Forster um 101 fl und 15 Kr Ewigzins. Die zwei Gewölbe unten gehören aber nicht zum Turm, sondern zur Ratsdienerwohnung. Seit 85 Jahren heißt der Turm ‚Goldfußturm‘, weil ihn von 1823-1853 der Taglöhner Johann Goldfuß besaß. … Im Jahre 1877 wurde der schöne Turm leider zur Hälfte abgetragen. Er hat die Haus Nr. 48 und sein gegenwärtiger Besitzer ist der Leichenbitter Ferdinand Gradl. … 5. Den weißen Turm (Anm.: Nr. 51, heute Zwingergasse 3), der ehemals vom Konvertiten Adam Frank bewohnt war, kaufte der Tuchmachersknapp Johann Vollhann um 152 fl und 15 Kr Ewigzins. Der Turm wurde auch etwas abgetragen, heißt aber noch heute Vollhannturm.“ (1, Seite 45 ff) (Fortsetzung Seite 18)

RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwMDQ=