Stadt-Anzeiger Auerbach - Dezember 2025 14 Die mittelalterliche Befestigung unserer Stadt Auerbach Fortsetzung, von Rudi Weber) (Fortsetzung Seite 16) „Auf drei Dinge waren die Auerbacher Bürger vor Alters besonders stolz: auf ihren stattlichen Kirchturm, auf ihr prächtiges Glockengeläute und auf ihre wehrhafte Stadtbefestigung.“ So beginnt Joseph Köstler (1849-1925) in Band XVI seiner 27-bändigen handgeschriebenen Chronik die ausführliche Darstellung der mittelalterlichen Befestigungsanlage. (1, Seite 19) Den Sitzungssaal des Auerbacher Rathauses gibt es in dieser Form erst seit dem Umbau des Rathauses in den Jahren 1927-1929. Der Lehrer Ludwig Haimerl (2) hat u.a. diesen Raum sehr schön und aussagekräftig ausgemalt. Das Foto zeigt die rechte Hälfte des Gemäldes an der Stirnseite des Saales. Als Hintergrund des Einzugs von Kaiser Karl IV. (13161378) in Auerbach hat Haimerl den Merianstich (1644; siehe Stadtanzeiger November 2025) gewählt. Hier und auf dem nächsten Foto ist die mittelalterliche Befestigung gut zu sehen. Der Kirchturm war damals übrigens ein Stockwerk höher und hatte eine andere Spitze. Nach dem großen Stadtbrand von 1868 (3) erhielt er sein heutiges Aussehen. - Auf dem obigen Bild an der Stirnseite des Sitzungssaales machen Bürgermeister und Ratspersonen dem Kaiser ihre Aufwartung und übergeben ihm die Schlüssel der Stadt. Karl IV. kommt von links hoch zu Ross und mit Gefolge ins Bild. Hinter dem Herrscher das Walmdach des Auerbacher Schlosses, das er 1374, also ein Jahr nachdem er Auerbach zur Hautstadt von Neuböhmen gemacht hatte, erbauen ließ. - Der Kaiser hat Auerbach aber nie so gesehen, denn unsere Befestigungsanlage war erst knapp 100 Jahre nach seinem Tod (+1378) fertig. Bürgermeister, Ratsherrn und ein paar andere Auerbacher standen Maler Haimerl vor fast 100 Jahren Modell. Die erste Sitzung im völlig neu gestalteten Rathaussaal fand dann am 2. Mai 1929 unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Georg Otto Burger statt. Burger kniet auf dem Bild hier vor dem Kaiser. Zurück zur ehemaligen Befestigungsanlage von Auerbach. Enorme Kosten Die Auerbacher Befestigungsanlage kostete jährlich viel Geld, das die Stadt eigentlich dringend für andere Dinge gebraucht hätte. Auch die Weiterentwicklung der Waffentechnik wirkte sich natürlich grundsätzlich auf die Befestigungsanlagen aus, die ja im Mittelalter unter ganz anderen Voraussetzungen errichtet worden waren. An der Erfindung und dem zunehemenden Gebrauch des Schießpulvers soll dies exemplarisch gezeigt werden. „Schießpulver, eine Mischung aus Salpeter, Schwefel und Holzkohle, wurde ursprünglich in China entdeckt und im 13. Jahrhundert nach Europa gebracht. Im 16. Jahrhundert begann man, das Potenzial dieser explosiven Substanz voll auszuschöpfen, was zur Entwicklung einer neuen Generation von Waffen führte.
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