Auerbach Stadt-Anzeiger - Oktober 2025

Stadt-Anzeiger Auerbach - Oktober 2025 38 Die mittelalterliche Befestigung unserer Stadt Auerbach (Fortetzung von Seite 30) Wie aber aus Köstlers Zeichnung hervorgeht, hatten die Anwesen 222 (heute Unterer Markt 33) und 223 (heute Unterer Markt 34, Bürgerhaus) eine gemeinsame Zufahrt von der Bachgasse aus, die heute nicht mehr so besteht. Weiter ist bei Köstler zwischen Nr. 228 (heute Oberer Marktplatz 4) und 229 (Oberer Marktplatz 6) zu Recht ein Gässchen eingezeichnet, welches nach dem großen Stadtbrand vom 27. Juni 1868 ebenfalls nicht mehr besteht. Übrigens: Fast genau ein Jahr vor dem verheerenden Brand war am 29. Juni 1867, dem Peter- und Paulstag, die Feuerwehr Auerbach gegründet worden. Zugleich wurde für sie durch die Stadt ein Turn- und Übungsplatz auf der Spitalwiese (später Holzgarten, heute städtischer Bauhof) eingerichtet. Die Türme N und O Wieder zurück zur mittelalterlichen Befestigung und den Stadtmauertürmen. In der Legende zu obiger Zeichnung bei Köstler hat der Turm N gar keinen Namen. Der Chronist schreibt dazu: „N - ein Stadtmauerturm, der schon vor dem 30jährigen Krieg eingefallen war.“ (1, Seite 30) In einer anderen Quelle las ich den Satz 1673 am 4. Juli war ein solch grausamb Sturmwetter, daß im Schloß alle Fenster draufgingen u. der Weißenturm N an der Stadtmauer gentzlich niedergeworfen worden ist. (Die Stelle, wo das steht, weiß ich leider nicht mehr genau!) Jedenfalls ist hier vom Weißenturm N die Rede. Mit O hat Köstler den sog. Ledererturm eingezeichnet. Er stand unmittelbar neben dem Schloss P noch bevor der Speckbach den ummauerten Bereich wieder verließ. Dieser Turm hatte keine eigene Hausnummer, weil er 1716 schon eingestürzt war. Seinen Namen hatte er nach einem Gerber oder Lederer (3), der ihn als Werkstatt genutzt hatte. Vorher war hier ebenfalls eine Art städtisches Gefängnis. Es gibt meines Wissens keine Abbildung dieses Turmes, aber folgende interessante Geschichte dazu. Der Ledererturm „Unweit des Auerbacher Schloßes stand — wahrscheinlich als Abschluß des Wallgrabens hinter der Bachgasse — der Ledererturm. Er barg die vielen Feuereimer aus Leder, in welchen früher bei Bränden das Wasser herbeigetragen wurde, an Stelle der Feuerspritze. Es wurden lebende Ketten gebildet, die Eimer wanderten von einer Hand zur anderen, voll zur Brandstätte, leer zurück. Jeder Bürger mußte bei seiner Verheiratung vier solche Eimer machen lassen und vorweisen. Zwei davon blieben sein Eigentum, zwei mußte er der Stadt überlassen, welche für den Notfall im Ledererturm aufbewahrt wurden, unter strenger Kontrolle. - Sonntagskinder hörten vor einem Brande oft deren Gerassel.“ Soweit Anna Maria Neumüller (1876-1956) von der Neumühle, die Oberlehrerin in Klingenmünster war. (4, Seite 86) Nach dem Krieg und ihrer Pensionierung unterrichtete sie noch einige Zeit an der Volksschule Auerbach. Die Neumühl-Lehrerin war auch eine eifrige Sammlerin von Heimatsagen. (5)

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