Auerbach Stadt-Anzeiger - September 2025

Stadt-Anzeiger Auerbach - September 2025 14 Auerbachs Keller in Leipzig (von Rudi Weber, Fortsetzung von Seite 1) (Fortsetzung Seite 16) Ein halbes Jahrtausend ist es heuer, dass Dr. Heinrich Stromer aus unserer Stadt in Leipzig eines der immer noch bekanntesten Lokale der Welt gründete, Auerbachs Keller. Im gleichen Jahr 1525 fand das Nürnberger Religionsgespräch (1) statt. Als eine der Folgen beschloss der Rat der damals Freien Reichsstadt am 21. April 1525, dass in seinem Gebiet die katholische Religion verboten und die neue Religion, also das Luthertum, eingeführt wird. Das hatte weitreichende Folgen: die als katholisch erbauten und ausgestatteten Kirchen wie Sebaldus-, Lorenz- und Frauenkirche mussten evangelisch werden, ein gutes Dutzend Klöster und Klosterhöfe wurden aufgelöst und ihr Besitz verkauft, usw. Das galt aber nicht nur in der Stadt Nürnberg, sondern für ihren ganzen Grundbesitz, z.B. im Pegnitztal bis herauf nach Velden. Die dortige ev.-luth. Marienkirche ist in jedem Fall einen Besuch wert. Das Jahr 1525 gilt auch als Höhepunkt des deutschen Bauernkrieges (2; 1524-1526), und dieser wiederum zu den einschneidenden Ereignissen unserer Geschichte. Er gehört zu den freiheitlichen Traditionen unseres Volkes, wie der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann (1899-1976; amt. 1969-1974) mit Recht betont hat. Der Bauernkrieg vor 500 Jahren war, abgesehen von den mittelalterlichen Kreuzzügen (11. bis 13. Jahrhundert), das erste großflächig ausgebreitete Massenphänomen im Heiligen Römischen Reich (HRR). Doch zurück zu unserem Stromer, dessen Bronzebüste auf der Titelseite zu sehen ist. Auf dem Marmorsockel finden wir die Wappen der Stadt (Auerochs) und das persönliche (steigender Bock) Heinrich Stromers. Der Rotary Club Auerbach stiftete anlässlich der 675 Jahrfeier der Stadt (1989) dieses wertvolle Kunstwerk, das am Aufgang vom Marktplatz zur Pfarrkirche St. Johannes der Täufer einen würdigen Platz hat. Geboren 1476 in Auerbach „Heinrich Stromer (geb. 1476 in Auerbach, gest. 1542 in Leipzig) war ein Mann, dessen Tüchtigkeit, Leistung und charakterliche Haltung schon zu seinen Lebzeiten von den großen Geistern der Zeit anerkannt und gewürdigt wurde.“ (3, Seite 3) Am wahrscheinlichen Geburtshaus des Heinrich Stromer (alte HNr 234, heute Oberer Marktplatz 10, beim Schreglmann) in Auerbach in der Oberpfalz erinnert eine schlichte Gedenktafel an den großen Sohn der Stadt. Den Stromer gehörten damals mehrere Häuser in unserer Stadt. (Foto 1970, we) Die Familie war im 14. Jahrhundert „aus Nürnberg eingewandert“. (4) Dort spielten die Stromer eine wichtige Rolle als Patrizier. U.a. finden wir in der Sebaldus-, Lorenz- und Marthakirche deutliche Spuren des Wirkens der Stromer. Am sog. Schulturm, einem mittelalterlichen Gefängnis in Nürnberg am Eingang zur Insel Schütt, ist eine Erinnerungstafel an den berühmtesten Insassen Hans Stromer (15171592), den sog. Bratwurststromer. (6) Heinrich „wächst in wohlsituierten Verhältnissen auf und kommt in den Genuss einer entsprechenden Vorbildung, die es ihm erlaubt, ein Studium aufzunehmen.“ (4) Seine Schulzeit verbrachte er in Auerbachs berühmter Lateinschule. (alte Hausnummer 90, heute Pfarrstraße 5) „Über die Anfänge seiner akademischen Laufbahn gehen die Überlieferungen auseinander: Nach der einen bezog er die Universität Leipzig 1497, nach einer anderen schon 1492. Sicher ist, daß er 1498 den Grad eines Baccalaureus erwarb und 1501 den eines Magisters artium liberalium, d. h. der freien Künste (vergleichbar unseren philosophischen Fächern). Er wechselte dann über zur Medizin, war in diesem Fach 1508 Baccalaureus und Rektor der Universität. Den Doktorhut holte er sich 1511. Im Jahre 1516 wurde er Professor der Pathologie, 1523 Professor für Therapie (praktische Medizin) und Dekan.“ (3, Seite 3) „In der Zeit der Reformation spielt Stromer von Auerbach in Leipzig eine wichtige Rolle. Er steht in regem Briefwechsel mit Martin Luther, Philipp Melanchthon, Ulrich von Hutten und Erasmus von Rotterdam. 1519 beteiligt er sich an der Disputation Luthers mit Johannes Eck (27. Juni bis 15. Juli 1519) und bietet Martin Luther Quartier in Leipzig.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwMDQ=