Stadt-Anzeiger Auerbach - August 2025 14 Die mittelalterliche Befestigung unserer Stadt Auerbach (Fortetzung von Rudi Weber) (Fortsetzung Seite 16) Im Befestigungsplan von Joseph Köstler (s. Stadtanzeiger Juni 2024 und Mai 2025, jeweils Seite 14) trägt der nächste Turm den Kennbuchstaben K, Runder Turm oder Schwedenturm. (1, Seite 28 f) Der runde Turm Sein Name war ursprünglich einfach runder Turm. Köstler schreibt darüber u.a.: „Der runde Turm, auch Faulenturm genannt. Dieser Turm war nach französischer Manier gebaut und umso imposanter anzusehen, als er sehr hoch und der benachbarte Stadtgraben hier am tiefsten war.“ (1, Seite 41) Warum ihn unsere Vorfahren Mitte des 15. Jahrhunderts rund bauten, ist mir nicht bekannt. Fakt ist jedenfalls, dass es der einzige runde Turm unter den ursprünglich insgesamt 11 war und ist, die über die mittelalterliche Stadtmauer hinausragten. Dazu kamen noch die Tortürme und der mächtige, mit seinen ca. 60 m Höhe alles überragende Stadt- oder Kirchturm. Der runde Turm, wie ihn Köstler von Luitpold Müller (Hausnummer 171, heute Unterer Markt 21) zeichnen ließ. Die Brüder Anton und Luitpold Müller haben sich sehr um die Erstellung der Köstler-Chronik verdient gemacht: Anton lieferte schwarzweiß Fotos, der Bruder Luitpold dieses Fotografen Müller beteiligte sich an den Reinschriften einzelner Bände, und fertigte Zeichnungen wie die hier abgebildete an. (1, Seite 39) Übrigens: Die vier mächtigen runden Türme der Nürnberger Stadtbefestigung (Laufer-, Königs-, Spittler- und Neutorturm) waren urprünglich eckig, und wurden erst um 1550 rund ummantelt. So boten sie u.a. den Kanonen möglichst wenig Angriffsfläche. Im sog 2. Markrafenkrieg, den Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach 1552 bis 1554 u.a. um die Vormachtstellung in Franken führte, wurde Nürnberg erfolgos belagert. Dafür wurden allerdings die Nürnberger Besitzungen rund um die befestigte Stadt nicht verschont. Schwedenturm Zurück zu Auerbach. Dieser runde schöne Stadtmauerturm wurde 1796 von der Stadt auf Anraten der Regierung versteigert. Er ging an den Schuhmacher Kaspar Leißner, genannt ‚Schwed‘. Er stammte aus Hopfenohe, und erstand den Turm für 116 Gulden und 15 Kreuzer jährlichen Ewigzins. Seit 1796 heißt der runde Turm auch Schwedenturm. (nach 2, Seite 349) Das hat also nichts mit den Schweden und dem 30jährigen Krieg (1618-1648) zu tun. Dieser Kaspar Leißner war vorher Wirt auf dem Anwesen Nr. 7 in Hopfenohe, das bis zuletzt (Ablösung 1936) auch den Hausnamen beim Schwed’n trug. Teile des Kellers dieses Wirtshauses sind in Hopfenohe nahe der Kirchenruine zu finden. „Das Dorf Hopfenohe selbst blieb nach der Ablösung seiner Bewohner im Zuge der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr 1936-39 zunächst noch einige Jahre ganz erhalten. Die Häuser dienten vor allem Zielbauarbeitern und deren Familien als Wohnung. Nach Kriegsende nutzten auch zahlreiche Heimatvertriebene die noch intakten Wohngebäude. Erst 1948 ließ die US-Kommandantur den Ort endgültig räumen, und gab die Gebäude dann zum Abbruch frei. Was übrig blieb wurde mit Ausnahme der Kirche dem Erdboden gleichgemacht.“ (3) Eines der ältesten Fotos vom Schwedenturm (um 1900) zeigt ihn mit nur mehr ca. 8 m Höhe schon seiner oberen Teile beraubt, allerdings noch angebunden an die Stadtmauer. Über die Wolf, Scheitler und Meidenbauer kam der Turm 1868 an den Bergmann Michael Beßenreither und seine Familie. Der Kaufpreis von 460 Gulden war damals schon viel Geld, wenn man bedenkt, dass es sich nur um den Turm und einigen Metern Fläche drumherum handelte.
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