Auerbach Stadt-Anzeiger - Juli 2025

Stadt-Anzeiger Auerbach - Juli 2025 32 Die mittelalterliche Befestigung unserer Stadt Auerbach (Fortsetzung von Seite 28) (Fortsetzung Seite 38) Der Turm (alte Nr. 48) hieß auch Predigerturm, weil in der Nachbarschaft im Haus Nr. 53 (heute Pfarrstraße 30) der Prädikant oder Stadtprediger wohnte. J. Köstler schwärmte: „Dieser hohe schöne Turm war eine Hauptzierde der Stadt. Vom unteren Tor aus betrachtet gewährte er ein herrliches Straßenbild.“ (1, Seite 42) Der Predigerturm (aus 1, Seite 43), gezeichnet um 1910 von Luitpold Müller (Hausnummer 171 heute Unterer Markt 21). Resigniert und enttäuscht schrieb Köstler dazu: „Im Parterregewölbe dieses stattlichsten und festesten Turmes wohnen jetzt die Kühe des Neuschusters.“ (1, Seite 42) Dieses „feste Gewölbe im Erdgeschoß diente der Stadt bis 1608 als Hauptgefängnis für Räber und Mörder, und wurde ‚Kollerer‘ genannt. Das obere Stockwerk enthielt eine Wohnung, die 1650 vom Ratsdiener Heinrich Angermann und 1750 vom Musikanten Ferdinand Peißner bewohnt wurde.“ (3, Seite 153) „Auf dem Turm nisteten gerne die Störche. Als 1868 bei dem großen Feuer (Anm. beim großen Stadtbrand am 27.6.1868 brannten in Auerbach 107 Wohnhäuser und 146 Nebengebäude nieder) auch das Haus Nr. 47 (Anm.: heute Pfarrstraße 13) neben dem Turm niederbrannte, litten die jungen Störche sehr unter der Hitze und klapperten jämmerlich um Hilfe. Auch fing das Nest wiederholt zu brennen an. Die alten Störche aber flogen unablässig zum nahen Weiher (Anm.: der Schwemmweiher war 1405 angelegt und ab 1913 zugefüllt worden), tauchten ihren Leib ins Wasser und schüttelten das nasse Gefieder im Nest ab. Dies wiederholten sie gewiß 30 resp. 60 mal und retteten damit nicht nur ihre Jungen und das Nest, sondern auch den Turm und alle benachbarten Häuser. So erzählten mir verschiedene Augenzeugen, insbesonders der damalige Bezirksarzt Dr. Arbeiter. – Jedenfalls ist es Tatsache, daß der Brand bei diesem Turm Halt machte.“ (1, Seite 46)

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