Auerbach Stadt-Anzeiger - Mai 2025

Stadt-Anzeiger Auerbach - Mai 2025 14 Die mittelalterliche Befestigung unserer Stadt Auerbach (Fortsetzung, von Rudi Weber) Im schon öfter angesprochenen Befestigungsplan von Joseph Köstler (s. Stadtanzeiger Juni 2024, Seite 14) gibt es einen braun eingezeichneten Streifen, der praktisch um die ganze Stadt herumläuft: der Zwinger. Diese Fläche zwischen den beiden Mauern war sehr interessant und deshalb auch begehrt „wegen ihrer sonnigen und gut abgeschlossenen Lage … als Lagerräume für Holz und Streu, Kraut und rüben, Balken und Bretter, Fässer und Bierkufen.“ (1, Seite 50) Zur Erinnerung an den doppelten Mauerring: Unmittelbar am inneren Rand des Stadtgrabens stand eine niedrigere Vormauer, die kleine Stadtmauer. Stadteinwärts folgten die Zwinger, eine zwischen 2 und 4 Meter breite Fläche, die sich zwischen der kleinen und der dann stadteinwärts folgenden großen Stadtmauer rund um die Stadt zog. Diese eigentliche Stadtmauer war immerhin 7 bis 8 Meter hoch und zwischen einem und zwei Metern dick. Unmittelbar an den Toren und an anderen besonders gefährdeten Stellen war sie stärker und höher angelegt. Bei der Errichtung hatte man mit Bruchsteinen zwei Mauern hochgezogen, dann deren je nach Gelände ca. ein bis zwei Meter breiten Zwischenraum mit Mörtel und Steinen aufgefüllt. (s. Stadtanzeiger Oktober 2024, Seite 24) Hier nochmal der Plan der Auerbacher Befestigungsanlage (s. Stadtanzeiger Juni 2024, Seite 14) in einer etwas kleineren Form. Die Zwingerflächen sind braun markiert. Die Stadt Auerbach als Eigentümerin der gesamten Befestigungsanlage verpachtete die Zwingerflächen an die vornehmsten Bürger, wie aus einer Aufstellung von 1750 zu ersehen ist. „1. der Zwinger vom unteren Tor (A) bis zum Anziehturm (E) war an den Bürgermeister Ratzer, Haus Nr. 172, verpachtet um 40 Kr pro Jahr. - 2. den Zwinger vom Anziehturm (E) bis zum Grabentor (B) hatte Bürgermeister Johann Merkl, Haus Nr. 123, in Pacht um 1 fl. - 3. den Zwinger vom Grabentor (B) bis zum weißen Turm (H) hatte Bürgermeister Gutmann, Haus Nr. 66, um 1 fl gepachtet. - 4. der Zwinger vom weißen Turm (H) bis zum oberen Tor (C) Haus Nr. 265 war an Bürgermeister Ströhl von Haus Nr. 224 um 1 fl 5 Kr verpachtet. - 5. den Zwinger vom oberen Tor (C) bis zum Hundsturm (L) hatte der Stadtschreiber Schenkl inne um 40 Kr. - 6. der Zwinger und Stadtgraben vom oberen Bad Haus Nr. 199 bis zum unteren Tor gehörte zum Schloß.“(1, Seite 51) Eine Stadt hatte bis etwa 1800 jeweils mehrere Bürgermeister gleichzeitg, die sich im Amt abwechselten. Einer von ihnen war jeweils eine Zeitlang der Amtsbürgermeister. So war es auch in unserer Stadt Auerbach. (2) Die heiß begehrten Zwinger wurden also an die vornehmsten Bürger wie an die 4 Bürgermeister und den Stadtschreiber verpachtet. „Außer den Streuschupfen sah man im Zwinger manchmal auch einige Beete mit Rettichen und Salat, auf den Rabatten gedieh der Rosmarin, der Salbei und das Lavendelkraut, in den Ecken wuchs der Jasmin oder der blaue Flieder und unter der Laube war eine Holzbank.“(1, Seite 50 f) So Joseph Köstler. Der hier angesprochene weiße Turm (H), seit 1796 auch Vollhannturm nach seinem damaligen Bewohner und Eigentümer Tuchmacher Johannes Vollhann genannt, sah lange Jahre etwa so aus: „Barbara Müller vor ihrem Turmhaus um 1935.“ (3, Seite 166) (Fortsetzung Seite 16)

RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwMDQ=