Stadt-Anzeiger Auerbach - Dezember 2024 14 Die mittelalterliche Befestigung unserer Stadt Auerbach (Fortsetzung von Rudi Weber) (Fortsetzung Seite 16) Wie schon mehrmals geschrieben war der Ausbau der Befestigungsanlage unserer Stadt um 1465 weitgehend abgeschlossen. Leider war das erst nach den Husittenkriegen (zwischen 1419 und 1434), weshalb diese Krieger aus dem nahen Böhmen am 9. Februar 1430 Auerbach einnehmen konnten. Sie zerstörten z.B. auch das erst 1418 am heutigen Platz erbaute Rathaus (1), sie brandschatzten, plünderten und mordeten. Das Kloster Michelfeld fiel damals ebenfalls den Husitten zum Opfer. (2, Seite 85ff) Erst nachdem Pfalzgraf Johann (3) (1383-1443; ab 1404 Statthalter bei uns in der Oberen Pfalz) die Husitten am 21. September 1433 in der Schlacht bei Hiltersried (4) entscheidend besiegt hatte, konnten die Befestigungsarbeiten in unserer Stadt wieder aufgenommen und vollendet werden. Die drei Stadttore Neben beiden Ringmauern und den zahlreichen Türmen waren die drei großen Stadttore (im folgenden Plan rot markiert) die Haupteinrichtung der mittelalterlichen Auerbacher Befestigungsanlage. Auf dieser Skizze ist das untere Tor mit I gekennzeichnet, das Obere mit II und das mittlere mit III. Beim oberen Tor ist das Vorwerk grün umrahmt. Jedes der drei Stadttore war durch eine Brücke - früher war es eine bewegliche Zugbrücke - mit dem äußeren Rand des Stadtgrabens (s. Stadtanzeiger Oktober 2024, S. 14) verbunden. Das untere Tor Das bedeutendste und auch schönste der drei Stadttore war zweifelsohne das untere oder Bamberger Tor (I). Es hatte zwischen den heutigen Anwesen Unterer Markt 15 (alte Hausnummer 120) und 20 (alte Hausnummer 170) seinen Platz. Das untere Tor bestand aus einem gewaltigen Torturm und dem weiter unten angesprochenen Torhaus. Beidseitig des Turmes waren die Häuser direkt angebaut, und stadtauswärts über den Stadtgraben führte eine Zugbrücke. „Die großen Torflügel waren aus Eichenspünden gezimmert und auf der westlichen Außenseite mit dem Stadtwappen geschmückt.“ (5, Seite 63 ff; Bild nach S. 66) Für die Bewohner der Innenstadt weithin sichtbar zeigte das große Zifferblatt einer Turmuhr die Zeit an. Diese war ein Werk des einheimischen Schlossers Andrä Hirn, der 1686 bis 1738 im Turm des Vorwerks beim oberen Tor wohnte. Seine Werkstatt hatte Hirn gleich neben seinem Wohnturm an der Stelle des heutigen Anwesens Oberer Torplatz 5 (alt Nr. 267). Hier stellte er solche Großuhren her und vertrieb sie in der ganzen Gegend. Diese Auerbacher Torturmuhr soll allerdings recht ungenau gegangen sein, weshalb sie im Volksmund auch Krautuhr genannt wurde. Unter der mechanischen Turmuhr aus der Zeit um 1700 war die schon ältere Sonnenuhr. In einem Dachreiter auf dem Turm hing eine kleine Glocke, das Torsperrglöckl. Sein Läuten verkündete das Öffnen und Schließen der Stadttore zur festgesetzten Zeit, nämlich morgens 5 Uhr (im Sommer 4 Uhr) und abends 21 Uhr (im Sommer 22 Uhr). Damit jedermann sich genau an diese Zeiten halten konnte, wurde auch vom Kirchturm bis etwa 1850 das Torsperrglöckl geläutet. Der Turm des unteren Tores wurde erst 1592 für den Torwärtl, der in der Toröffnung mit einer Hellebarde in der Hand und einem Hund zu sehen ist, bewohnbar gemacht. Er hatte bisher im sog. Torhaus Nr. 122 (heute etwa Unterer Markt 17) gewohnt, wo auch eine der städtischen Hebammen ihre Unterkunft hatte. „Der Torturm war rechts und links flankiert von Bürgerhäusern, die an die Stadtmauer geklebt waren und der Stadt einen hübschen Abschluß gaben. Die zwei Reihen hoher Giebelhäuser bildeten mit diesem Torabschluß ein prächtiges Straßenbild, das durch den hölzernen Röhrenbrunnen und die buttentragenden Mägde, durch die vorspringenden Dachrinnen und altmodischen Erker sich sehr abwechslungsreich gestaltete. Durch dieses Tor ritten Kaiser und Könige, Kurfürsten und Pfalzgrafen, Bischöfe und Äbte in die Stadt. Durch dieses Tor marschierten viele berühmte und stolze Reiteroffiziere: Johann von Wert, Kratz von Scharfenstein, Bernhard von Weimar, Vitzthum von Eckstätt, Graf Königsmark und viele andere.
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