Auerbach Stadt-Anzeiger - Mai 2024

Stadt-Anzeiger Auerbach - Mai 2024 - Ihre Namen erinnern an mi� elalterliches Handwerk und schöne Künste. Sie sind ab dem Frühjahr in unseren Wäldern ak�v. Dabei handelt es sich bei Kupferstecher und Buchdrucker keineswegs um Handwerker, sondern um zwei Käferarten aus der Familie der Borkenkäfer, die dem Fichtenbestand auf den Leib rücken. Buchdrucker und Kupferstecher gehören zu den rindenbrütenden Borkenkäfern. Ihre Brut entwickelt sich in der Rinde. Der Larvenfraß erfolgt vorwiegend quer zur Faserrichtung. Dabei wird die Bastschicht zerstört und bei starkem Befall der Nährsto� ransport unterbrochen. Zusätzlich werden durch die Altkäfer bei der Brutanlage phytopathogene Pilze eingetragen, welche den Absterbeprozess der befallenen Fichte beschleunigen. Das bedeutet, dass jede befallene Fichte abs�rbt! Der Buchdrucker ist eigentlich der große achtzähnige Fichtenborkenkäfer, dessen typisches Brutbild unter der Rinde von Fichten einem aufgeschlagenen Buch ähnelt. Sein kleinerer Bruder ist der sechszähnige Fichtenborkenkäfer, der sternförmige Brutbilder unter der Rinde hinterlässt, die an einen Kupfers�ch erinnern, daher der Name. Das milde We� er der vergangenen Wochen gibt der Borkenkäferpopula�on neuen Vorschub. Deshalb empfiehlt das bayerische Forstministerium den Waldbesitzern aktuell, ihre Wälder intensiv und regelmäßig zu kontrollieren und ggf. Maßnahmen zu ergreifen. Denn sind die Fichtenbestände befallen, muss das sogenannte Schadholz umgehend en�ernt werden. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben. Auch im „grünen Wohnzimmer“ Auerbachs, dem Stadtwald, wurde in diesem Frühling massiv Holz geschlagen, um dem Schädlingsbefall Einhalt zu gebieten. Rund um die touris�schen A� rak- �onen Parasolfels und Rabenfels wurden zum Beispiel wegen massivem Borkenkäferbefall rund 400 Festmeter Holz entnommen. Die Eingriffe in die Natur sind natürlich nicht ohne sichtbare Veränderungen im Waldbild zu vollziehen. So muten die vielen Fichteneinschläge zunächst wie ein Kahlschlag am Wald an. Rückegassen für die Holzerntemaschinen und der milde und zu nasse Winter haben die Wege stark beschädigt. Diese unansehnlichen Routen werden aber nach den Holzarbeiten selbstverständlich wieder in einen vernün�igen befahrbaren Zustand versetzt. Auch wurden nicht alle Bäume komple� eingekürzt, sondern sogenannte Hochstubben von vier bis acht Borkenkäfer im Wald 05.2024 Die Seite der Stadt - mit Daten, Fakten und Projekten! Metern stehen gelassen, um zusätzliches Totholz für Höhlenbrüter zu schaffen. Sämtliche Maßnahmen und der Einsatz schwerer Forstmaschinen wurden mit den zuständigen Behörden abgesprochen. Die Flächen um den Parasolund Rabenfels haben Vertreter des Landscha�spflegeverbands, der Unteren Naturschutzbehörde Amberg-Sulzbach sowie dem Amt für ländliche Entwicklung AmbergNeumarkt mehrmals begangen, um sich ein Bild zu machen. Für die nächsten Jahre gilt, dass in den Sommermonaten so schnell wie möglich befallene Fichten, ohne großen teuren Spezialmaschinenaufwand aus dem Wald entfernt werden, um kontrolliert die Fichte so lange wie möglich zu erhalten. Dies ist wich�g, damit man den Scha� en durch die Fichte für Naturverjüngung nutzen kann. Sowohl in den bayerischen Staatsforsten als auch in vielen Privatwäldern wird inzwischen Waldumbau von reinen Fichtenbeständen zu mehr Mischwäldern betrieben. Doch was neu wachsen muss, braucht Zeit. Fakt ist, wenn junge Bäume wachsen sollen, die eine höhere Klimaresistenz aufweisen als Fichte, dann müssen alte, erntereife, starke Bäume weichen. Eine gute Nachricht: Trotz der intensiven forstwirtscha�lichen Arbeiten im Bürgerwald hat der Wanderfalke vergangenes Jahr nach langer Zeit wieder erfolgreich am Rabenfelsen gebrütet. ? Wussten Sie ... .... dass Buchdrucker und Kupferstecher einen Waldumbau nö�g machen? Die Larve des Borkenkäfers und ihre typischen Fraßspuren in der Rinde. Bild: StockAdobe Lunghammer

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