Stadt-Anzeiger Auerbach - September2026 30 Das Schloss und die mittelalterliche Befestigung im Dreißigjährigen Krieg (Fortsetzung, von Seite 28) „Vor allem war die ländliche Bevölkerung, die nicht hinter schützenden Mauern lebte, den Grausamkeiten der Marodeure ausgeliefert. Die Zeichnung von Hans Ulrich Franck (Anm.: 1590/95-1675) zeigt die Tötung eines solchen Peinigers.“ (4, Bild auf Umschlag vorne) Als Marodeur bezeichnet man jemanden, der am Rande von Kampfhandlungen brandschatzt, plündert, erpresst, raubt, stiehlt, vergewaltigt oder gar mordet. Pest und andere ansteckende Seuchen Die Soldatenmeuten brachten oft auch Seuchen mit. „Man sprach von Pest (6), wobei darunter ansteckende Krankheiten aller Art gemeint sein konnten, Schwarze Blattern, Ruhr, Typhus usw. Schon i. J. 1627 hauste eine pestartige Krankheit in der Nähe der Stadt. Allein in dem kleinen Ort Fischstein starben vom August bis Oktober 1627 zwölf Personen an der Pest. Schon im Jahr vorher grassierten in Auerbach Ruhr und Syphilis. In der Pfarrei Auerbach starben von 1627 bis anfangs 1635 nicht weniger als 1700 Personen an Seuchen. Das Sterben war im ganzen Land: Von April bis Oktober 1634 zählte man in Hersbruck 533 Pesttote. Der Auerbacher Pfarrer Ulrich Faulmüller (amt. 1625-1634 in Auerbach; sein Bild hängt im Chorraum der Spitalkirche St. Katharina) unterließ es schon ab 1631, die Toten in das Sterbebuch einzutragen, weil eine ordnungsgemäße Registrierung nicht mehr möglich war. Hören wir seine Rechtfertigung: ‚Dieweiln von diesem Jhar ahn bieß uff daß virtzigst Jhar grose Sterbsleuften, nominatim enim (namentlich) Anno 1634 den ganzen Somer, Herbst und mehrern Teils des Winters die leidige Seuch der Pestin hin und her in ganzen Teuschlanch wie nit weniger das leidige Kriegswesen grassirt, dahero hatt man nit wohl wissen können, wie viel oder wer gestorben, sintemaln die Kirchhöfl zue eng worden, also das ihrer viel in Gärten daheimb in Dörffern begraben worden‘. Weil auch die Aufzeichnung der Todesfälle nicht so wichtig sei als die der Taufen und der Hochzeiten, habe er es ‚teils Not halber, teils aus Unachtsamkeit‘ unterlassen, einzuschreiben und erst von 1640 an die Matrikel wieder (Anm.: von seinem Nachfolger) fortgeführt.“ (1, Seite 110) (Fortsetzung Seite 34)
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