Auerbach Stadt-Anzeiger - März 2026

Stadt-Anzeiger Auerbach - März 2026 16 Das Schloss der mittelalterlichen Befestigung unserer Stadt Auerbach (Fortsetzung, von Seite 14) Der Wappenstein über dem Haupteingang des Auerbacher Schlosses zeigte einen Löwen mit zwei Schwänzen. Dieser zwiegeschwänzte böhmische Löwe ist heute noch im Wappen der Tschechischen Republik, kurz Tschechien. Die Dächer des Schlosses und des Erkers waren anfangs mit Holzziegeln gedeckt. Weit vorspringende, ebenfalls hölzerne Dachrinnen leiteten das Wasser in den nahe vorbeifließenden Speckbach. Das Erdgeschoss des Schlosses Eine steinerne Schneckenstiege führte nach dem Eingang in den Keller, eine hölzerne jeweils in die oberen Stockwerke und Dachräume des Schlosses. Das Erdgeschoss des Auerbacher Schlosses im Grundriss. (Zeichnung aus 1, Band XVII, Seite 554) Die einzelnen Ziffern bedeuten 1 Eingangstor, 2 Eingangshalle, ein mit Dolomitsteinen gepflasterter Vorplatz; Treppenhaus nach oben und unten, 3 Schreibstube, 4 Reiterstube, 5 Dienstbotenraum, auch Viehstube genannt, 6 Knechtskammer, 7 hinterer Eingang mit Vorplatz, 8 Küche (Kuchl) 9 Speisegewölbe, 10 Pulver- und Wildbretkammer, 11 Abstellraum, 0 Abort. Die Decken des Erdgeschosses waren alle gewölbt. Im Erdgeschoss war die Schreibstube 3, in der praktisch die Dienstgeschäfte abgewickelt wurden. Neben den üblichen Tischen mit Schubladen waren nach einem Verzeichnis von 1620 ein rot angestrichenes Hängetischlein, mehrere „hülzerne Stühl“, vier Kästen mit Schubladen „worin die Amtsakta liegen, ferner ein großer langer vergitterter Kasten mit der Kastenamtsregistratur“. (nach 1, Band VII, Seite 59 bis 79) Zur benachbarten großen Reiterstube 4, in der die normalen Gespräche geführt wurden, führten drei Treppenstufen hinauf. Als Einrichtung diente u.a. ein riesiger gelber Kachelofen mit einer breiten Ofenbank. In der Mitte stand ein großer alter Tisch mit Stühlen drum herum. An der Wand lehnte eine „hilzerne Feuerspritzn“, unter dem Tisch standen „zwo Schamel“. In der Dienstbotenkammer 5, auch Viechstubn genannt, standen u.a. ein brauner Ofen mit einer Bratröhre, ein großer Tisch, hölzerne Bänke, „zween Hokerln“ und ein „küpferner Kestl“. Die Knechtskammer 6 enthielt u.a. eine alte „Bettstatt ohne Himmel“, einen „Kastn“ und ein paar Stühle. In der Kuchl 8 waren u.a. ein „Schüsselrahm mit etlichn Gfäsn, ein Aufhenktischl“, mehrere Bratpfannen und -spieße, „irdene u. küpferne Hefen“, allerlei „ander Geschürr“, „zwo eiserne Ofengabel“ und eine Kohlenschaufel. Blick in eine Kuchl unserer Vorfahren, in deren Mittelunkt eine offene Feuerstelle zum Kochen, Braten usw. war. In der Speis oder Vorratskammer 9, erreichbar nur durch die Kuchl, war u.a. eine „Kistn mit Mel und Klei“, einige „Milchäfn, Bachschüssln“ usw. Dienstboten- 5 und Knechtskammer, sowie die Kuchl 8, waren nur zu betreten über den hinteren Eingang 7. Die kleinen Kammern 10 und 11 waren durch Türen von der Eingangshalle aus zu begehen. In 10 lagerte u.a. das Schießpulver. Auch das von Zeit zu Zeit vorhandene Wildpret wurde hier aufbewahrt. 11 waren eine Abstellkammer und der Durchgang zur Toilette 0 (Plumpsklo). (Fortsetzung Seite 26)

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