Auerbach Stadt-Anzeiger - Januar 2026

Stadt-Anzeiger Auerbach - Januar 2026 14 Vor über 410 Jahren ... (von Rudi Weber) (Fortsetzung Seite 16) war unsere Stadt Auerbach kurzzeitig vom 11. August 1613 bis 25. Januar 1614 Sitz der kurfürstlichen Regierung der Oberen Pfalz. In Amberg, der damaligen Hauptstadt dieses Territoriums, war nämlich kurz vorher die Pest ausgebrochen. Deshalb brachten sich der Statthalter Christian von Anhalt und die gesamte Regierung vor der Seuche in Sicherheit. (nach 1, Band 2, Seite 278ff) Übrigens: Die damals Freie Reichsstadt Regensburg (1200-1800) wurde erst 1838 Sitz der Regierung vom Kreis Oberpfalz und Regensburg, der im Wesentlichen den Abgrenzungen unseres heutigen Regierungsbezirks Oberpfalz entspricht. Die Obere Pfalz entstand eigentlich anno 1329 im sog. Hausvertrag von Pavia. Damals übertrug Ludwig IV. (ca. 1282-1347) aus dem Haus Wittelsbach den Söhnen seines Bruders Rudolf I. (1274-1319) einen Teil seines Besitzes, nämlich die Rheinpfalz (Hauptstadt Heidelberg) und einen großen Teil unserer heutigen Oberpfalz (Hauptstadt Amberg). Ludwig IV. und seine Söhne behielten im Wesentlichen ihre Besitzungen im heutigen Oberbayern. Ludwig IV. war ab 1314 römischdeutscher König und ab 1328 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (HRR). Er erhob 1314 unsere Gemeinde Auerbach zur Stadt, und ist besser bekannt unter Ludwig der Bayer. Sein monumentales Grabmal aus rötlichem Marmor (Bild) steht in der Frauenkirche München. Zur besseren Unterscheidung zur Rheinpfalz nannte man den bayerischen Teil mit der Hauptstadt Amberg, wo auch die Statthalter der Pfalzgrafen saßen, der Pfalz Land in Baiern oder unsre Pfalz gen Amberg, bis schließlich der 1513 erstmals bezeugte Name die Obere Pfalz aufkam. Die korrekte Schreibweise unserer Stadt ist Auerbach i.d.OPf., was von Obere Pfalz herkommt. Bald lutherisch, bald calvinisch Als 1613 die kurfürstliche Regierung vor der Pest von Amberg in unser Auerbach floh, befanden sich die Menschen unserer Heimat mitten in der Reformationszeit und am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). In der Reformationszeit mussten unsere Vorfahren in Amberg, Auerbach, Michelfeld usw. mehrmals das Bekenntnis wechseln, je nachdem ob der Kurfürst katholisch, lutherisch oder calvinisch war. Mehr darüber z.B. unter 2. Statthalter der Kurfürsten Friedrich IV. (1574–1610) und Friedrich V. (1596-1632; Winterkönig) von der Pfalz in Amberg war 1595-1621 Christian I. von AnhaltBernburg. Christian von Anhalt (1568-1630) war sehr gelehrt und sprach mehrere Sprachen. Mit 37 Jahren bekannte er sich öffentlich zum Calvinismus und gründete 1608 die protestantische Union unter der Führung Friedrichs IV. von der Pfalz als Gegenpol zur katholischen Liga. Im abgebildeten Stich aus dem Jahr 1615 wird er fälschlicherweise als Christian II, bezeichnet.

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